Bei einem Behindertentestament wird immer die Testamentsvollstreckung angeordnet. Bei der Testamentsvollstreckung handelt es sich um die professionelle Nachlassabwicklung durch eine fachkundige, neutrale, objektive und überzeugende Person. Diese garantiert, dass der Wille des Erblassers nach dem Todesfall exakt nach dem Wortlaut des Testaments umgesetzt wird.

Das Behindertentestament wird für Testamente verwendet, bei denen einer oder mehrere der gesetzlichen Erben behindert sind.

Welches Problem tritt auf, wenn ein behindertes Kind zu den Erben gehört?
Lebt ein behindertes Kind in einer Wohnstätte oder bedarf es besonderer Pflege, entstehen meistens sehr hohe Kosten für die Betreuung, so dass Sozialleistungen in Anspruch genommen werden müssen. Sobald das behinderte Kind eigenes Vermögen besitzt, muss dieses - bis auf einen geringen Freibetrag - für die entstehenden Kosten eingesetzt werden. Das von den Eltern geerbte Vermögen fällt in der Regel dem Sozialhilfeträger zu, ohne dass das behinderte Kind davon einen echten Vorteil hat.

Bei dem Behindertentestament wird das behinderte Kind testamentarisch mit einem Anteil am Nachlass beteiligt, der etwas über dem Pflichtteil liegt, damit das Erbe nicht ausgeschlagen werden kann und statt dessen der Pflichtteil gefordert wird.

Das behinderte Kind wird jedoch nur als Vorerbe eingesetzt. Nacherben können beispielsweise die „gesunden“ Geschwister sein. Ein Vorerbe darf das geerbte Vermögen nicht verbrauchen, sondern er muss es für den Nacherben bewahren. Dem Vorerben stehen nur die Erträge zu. Sie werden vom Testamentsvollstrecker verwaltet. Er darf die Erträge nur für die Annehmlichkeiten verwenden, die über die Grundsicherung und die Sozialhilfe hinausgehen (Geschenke zu Geburtstag und sonstigen Festtagen, Reisen, Kleidung, Kino, Theater, medizinische Hilfsmittel, die von der Krankenkasse nicht bezahlt werden etc.). Als Testamentsvollstrecker werden oft Angehörige eingesetzt.
Nach dem Tod des Vorerben bekommt alles der Nacherbe, welcher somit der eigentliche Erbe ist.

Auch die Lebenshilfe-Stiftung Braunschweig bietet Testamentsvollstreckungen an. Sie ist bereits in drei Fällen Testamentsvollstrecker und Nacherbe.

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